Falsett
Falsett, Register der menschlichen Stimme, auch als Fistelstimme bekannt.
Die menschliche Stimme teilt sich in das tiefe und mittelhohe Brustregister einerseits, in das hohe Kopfregister andererseits ein. Der Unterschied zwischen den beiden liegt in der jeweils anderen Resonanz von Brustwand und Schädelknochen. Wird die männliche Kopfstimme (Fistelstimme) infolge von Brustresonanz verstärkt, so entsteht Falsett mit den übernormal hohen Tönen. Faktisch schwingt dabei nur jeweils ein Teil eines Stimmbandes
Falsett wird in der Rockmusik manchmal als ein possenhafter Zug (so bei Tiny Tim), manchmal als ein besonderer Klangreiz (z. b. bei den Beach Boys) verwendet, aber auch als Camouflage (z. B. bei Prince). Wesentlich von der Klangwirkung des hohen Männergesangs lebt etwa die Musik Jimmy Somervilles (Bronski Beat, The Communards) sowie der Formationen Erasure und Antony and the Johnsons. Obligates Stilmittel war Falsettgesang aber auch bei so gegensätzlichen Gruppen wie z. B. Electric Light Orchestra und The Darkness.
Der Ursprung des Falsettgebrauchs in der Rock- und vor allem Soulmusik liegt einerseits in dem Blues-Gesang der schwarzen US-Bürger, bei denen der Falsettgesang als besonders männlich galt. Schwarze Sänger liefern auch heute noch sehr beeindruckende Beispiele des Falsettgesangs, etwa Philip Bailey, einer der Sänger der Band Earth, Wind And Fire. Andererseits ist Falsett-Gesang als Jodeln fester Bestandteil der Country Music.
Diskografie
Tiny Tim: God Bless Tiny Tim (1968)
Electric Light Orchestra: A new World Record (1976)
Earth, Wind and Fire: All ‘n All (1977)
Prince: Sign ‘O’ The Times (1987)
Ersaure: pop! 20 Hits (1992)
The Darkness: One Way Ticket to Hell … and back (2005)
Antony and The Johnsons: Another World (2008)
Literatur
Bernays, Ueli: Die simulierte Euphorie, in: Neue Zürcher Zeitung, 8.1. 2010
