Sounds
Sounds, deutsche Musikzeitschrift, 1966 erstmals erschienen.
Die zunächst unregelmäßig, dann all zwei Monate und schließlich monatlich erscheinende Zeitschrift im Magazinformat widmete sich in ihren ersten Aufgaben dem Jazz, so etwa der Musik von Ornette Coleman, Sonny Rollins und Albert Ayler. Der musikalische Horizont der damaligen Redaktion wurde mit den ersten LPs Frank Zappas und seiner Mothers of Invention geweitet und ab Ende der 1960er-Jahre stand die aktuelle zeitgenössische Rockmusik im Mittelpunkt der meist in Aufsatzform gehaltenen Artikel. Interviews als Wechselspiel von Frage und Antwort waren eher die Ausnahme, meist wurden die Aussagen der Musiker gleich in kommentierende und interpretierende Form gefasst. Mehr oder weniger uneingestanden war die amerikanische Rock-Zeitschrift Rolling Stone das Vorbild von Herausgeber und Redaktion.
Entsprechend subjektiv und oft auch ohne weitere Begründung fielen die Urteile über Bands, Musiker und Musik aus. Die deutsche Rockmusik spielte bis Mitte der 1970er-Jahre eine untergeordnete Rolle, ab etwa 1970 wurde dem Progressive Rock in seinen verschiedenen Ausprägungen breiter Raum gewidmet; der britische Progressive Rock spielte, abgesehen von einzelnen Bands wie z. B. Emerson, Lake and Palmer, eine herausragende Rolle. Bis etwa 1977 favorisierte die damalige Redaktion um Jürgen Legath und Jörg Gülden zunehmend die amerikanische Rockmusik, wobei die Vorliebe der gesamten Redaktion für die Rockband Little Feat geradezu sprichwörtlich wurde.
Auf Punk und New Wave reagierte das Musikblatt sehr spät, noch Mitte der 1970er-Jahre stand man mehr für Bob Seger oder Bruce Springsteen ein. Als dann aber die Bedeutung der neuen Phänomene erfasst worden war, reagierte Sounds radikal, stellte neue, jüngere Redakteure ein und veränderte in Maßen auch das Aussehen der Zeitschrift. Neue Rubriken, wie etwa der »Diskurs«, das vehemente Eintreten für diverse Spielarten der Neuen Deutschen Welle vertrieb allerdings die alten Leser und vergraulte dann auch die Anzeigenkunden. Im Januar 1983 erschien die letzte Ausgabe der Sounds.
Der Titel wurde von dem Schweizer Verleger Jürg Marquard gekauft und von der ebenfalls ihm gehörenden Musikzeitschrift Musikexpress verwendet, die fortan Musikexpress Sounds hieß. Im Laufe der Jahre wurde der Schriftzug auf dem Titelblatt stetig kleiner und verschwand schließlich ganz. Die Redakteure der Sounds waren wegen der grundsätzlich eher an Pop Music und Mainstream Rock orientierten Ausrichtung des Musikexpress zum Teil zu dem Musikblatt Spex gegangen.
Seit 2008 erscheint unter dem Namen Sounds im Verlag Axel Springer erneut eine Musikzeitschrift unter dem Namen Sounds; dieses Blatt entsteht in der Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Rolling Stone und ist jeweils einem Schwerpunktthema gewidmet.
Die alte Sounds, die zuletzt in Hamburg erschien, ist die Wiege des deutschen Rock-Journalismus. Hier schrieben Autoren wie Teja Schwaner, Jörg Gülden, Jürgen Legath, Rolf-Ulrich Kaiser, Helmut Salzinger, Alfred Hilsberg, Sonia Mikich, Hans Keller, Klaus Humann, Peter Urban, Ingeborg Schober und Diedrich Diedrichsen. Einige Autoren schreiben unter Pseudonym, so Salzinger unter Jonas Überohr, und bei bestimmten Themen tauchte der Autor Dr. Gonzo auf.
Ein wesentlicher redaktioneller Teil der Sounds war der Rezension von Schallplatten vorbehalten und prägte in seiner bewusst subjektiven Art auch für die Zukunft und für andere Blätter die Art und Weise, wie Rock- und Popmusik zu rezensieren ist. Die Schallplattenkritiken haben hohen dokumentarische Wert und geben Aufschluss über die deutsche Rezeption von britischer, amerikanischer und deutscher Rockmusik insbesondere der 1970er-Jahre. Legendär wurde die Kritik einer Schallplatte von Emmylou Harris, die Teja Schwaner enttäuscht mit dem einzigen Satz »Is´ nich´ so gut« abkanzelte.
Literatur
Sounds – Platten 66-77 – 1872 Kritiken, 1979
Weblink
http://www.sounds-rollingstone.de (Website der Zeitschrift Sounds by Rolling Stone des Verlages Axel Springer)