Sustain

Sustain, englisch für »aufrecht erhalten«, Ausschwingvorgang bei Musikinstrumenten, insbesondere Saiteninstrumenten

Jeder Klang hat einen bestimmten Verlauf, der vereinfacht gesagt in drei bzw. vier Phasen abläuft: Auf den Einschwingvorgang folgt das Halte-Niveau, danach das Ausschwingen; zwischen Einschwingung und Halte-Niveau kann ein mehr oder wenigerer großer Abfall in der Lautstärke erfolgen, dessen Dauer ebenfalls variieren kann. An diesen vier Phasen ist sind auch die Regelmöglichkeiten eines ADSR-Hüllkurvengenerators in einem Synthesizer ausgerichtet.
Bei Saiteninstrumenten, die gezupft werden geht der Einschwingungsvorgang – ausgelöst vom dem Zupfen der Saiten – sofort in den Ausschwingungsvorgang über. Es gibt also kein Halte-Niveau, das bei Synthesizern Sustain genannt wird. Vielmehr ist es erwünscht, dass der Ausschwingungsvorgang möglichst lange dauert, damit nach dem Zupfen der Ton nicht sofort verklingt, sondern über einen gewissen Zeitraum sein Lautstärke-Niveau hält.
Die Länge dieses Zeitraums hängt von der Gestaltung des Zupfinstrumentes ab: Bei so genannten akustischen Instrument sorgt der hohle Korpus als Resonanzraum für eine gewisse Dauer des Ausschwingens. Bei elektrischen Instrumenten, deren Korpus aus einem massiven Brett besteht – also Solidbody-Gitarren und –Bässe – gibt es dagegen keinen Resonanzkörper: Wird bei diesen Instrument die Saite gezupft, so wird die Schwingung der Saite in geringem Maße auch auf den Brettkorpus übertragen und regt diesen zum Mitschwingen an. Aufgrund der geringen Masse der Saite gegenüber der Masse des Instruments, sind dieser Kraftübertragung sehr enge Grenzen gesetzt, der Klang wird mehr oder weniger stark gedämpft, was sich in einem kürzeren oder längeren Sustain äußert. So kommt es beim Bau dieser Instrumente darauf an, durch geeignete Wahl des Holzes für den Korpus ein möglichst langes Sustain zu erreichen. Deshalb scheiden die stark dämpfenden Weichhölzer (Kiefer, Fichte) von vornherein aus. Geeignet sind vielmehr Hölzer, die bei einer hohen Dichte noch ein einigermaßen geringes Gewicht garantieren, wie etwa Esche, Mahagoni oder Erle. Gut geeignet sind die meisten Hart- und Edelhölzer, doch haben die auch in der Regel ein hohes Gewicht. So sind Instrumentenbauer stets auf der Suche nach dem Kompromiss.
In den 1980er-Jahren wurde seitens der Musiker, insbesondere der Bassisten, größter Wert auf ein langes Sustain gelegt, während dies in den 1960er-Jahren keine rolle spielte und auch in späteren Jahrzehnten nicht unbedingt im Vordergrund stand. Dies hängt mit den in den 1980er-Jahren bevorzugten Spieltechniken ab: Im Funk der 1980er-Jahre beispielsweise mit seinen mitunter extrem kurzen Saiten-Anschlägen ist ein langes Sustain natürlich eher erwünschst als im Beat der 1960er-Jahre.
Ob ein Instrument einlanges oder ein eher kurzes Sustain hat, lässt sich nur feststellen, wenn das Instrument nicht an einen Verstärker angeschlossen ist. Schlägt man eine Saite des Instrumentes an, so kann die Schwingung – und damit das Sustain – auch eher gefühlt als gehört werden.
Es sei nicht verschwiegen, dass die Frage des langen Sustains auch stets mit ein wenig Mystik umgeben ist. Die meisten Zuhörer hören den Unterschied – wenn überhaupt vorhanden – zwischen kurzem und langem Sustain nicht, und die meistens Bassisten haben eher Schwierigkeiten, unerwünschte Schwingungen ihres Instrumentes zu unterdrücken.

Comments are closed.