Ondes Martenot

Stichworte Theremin | Radiohead | Sinfonie | Elektronische Musik



Ondes Martenot, auch Ondes musicales, elektronisches Musikinstrument, 1928 von dem französischen Funktechniker Maurice Martenot (* 1898, † 1980) vorgestellt; das Instrument wurde bis in die 1950er-Jahre von Martenots Firma in verschiedenen Fassungen gebaut, andere bauten es bis 1988.

Martenot hatte vor dem Ersten Weltkrieg in Paris Musik studiert, unter anderem Klavier bei Alfred Cortot. Während des Krieges wurde er als Funker eingesetzt und lernte dabei die Möglichkeiten dieser seinerzeit jungen Technik kennen. 1923 traf er Léon Theremin (eigentlich Lew Sergejewitsch Termen) und übernahm von dessen Theremin genannten elektronischem Instrument die grundsätzliche Konstruktion: Ein auf zwei Oszillatoren basierenden Schwebungssummer, der – ergänzt durch eine Mischstufe und Filter – musikalisch sinnvolle und verwertbare Töne erzeugte. Anders als das Theremin wurde das Ondes Martenot nicht berührungslos gespielt, sondern mit Hilfe eines Drahtes, auf den ein Ring aufgefädelt war, den der Spieler sich auf einen Finger steckte. Der Draht war über eine Art Griffbrett gespannt, die dem Spieler als Orientierungshilfe diente. In dieser Form kam das Instrument am 20 April 1923 in der Pariser Oper vor einem breiten Publikum zum Einsatz.
Später, seit etwa 1940, wurde das Ondes Martenot mit einer zusätzlichen Tastatur versehen. Außerdem wurden insgesamt 12 Festfilter eingebaut, die eine entsprechende Anzahl an Klangfarben – einstellbar durch Registerhebel in einer an der linken Seite des Instrumentes befindlichen Schublade – bereitstellen. Bei diesem Instrument wird das Manual mit der rechten Hand gespielt, während mit der linken Hand über den Draht – mit dem im Übrigen die Kapazität eines Kondensators verändert wird – Glissandi produziert werden können. Das gesamte Instrument ist trotz des sieben Oktavenumfassenden Manuals in einem relativ kleinen Gehäuse untergebracht.
Zu dem Ondes Martenot gehören verschiedene Lautsprechersysteme, von denen die so genannte »Palme« eine bemerkenswerte Form hat: Auf einem rechteckigen Lautsprechergehäuse sitzt ein zweites, dessen Form grob an ein spitz zulaufendes Oval erinnert. Über der Austrittsöffnung des Lautsprechers sind zwölf Resonanzsaiten gespannt, die von den Schwingungen des Lautsprechers angeregt werden und bestimmte Frequenzbereiche durch Mitschwingen verstärken.
Der Klang des Instrumentes ist eigentümlich hohl, obertonarm, nicht recht zu orten und erinnert stark an den des Theremins. Das Ondes Martenot wurde besonders von französischen Komponisten, so von Olivier Messiaen in seiner Oper »Saint Francois d’Assise« (1983) und seiner »Turangalîla-Sinfonie« (1946-1948), von Maurice Ravel, Jean Martinon, Darius Milhaud, André Jolivet, Arthur Honnegger (»Semiramis«; 1934; »Tausendundeine Nacht«, 1937) und Edgar Varèse, benutzt. Im Jazz spielt das Instrument überhaupt keine Rolle, in der Rockmusik wurde es von Jonny Greenwood, Gitarrist der Gruppe Radiohead, auf »Kid A« (2000) und »Amnesiac« (2001) und von Bryan Ferry auf »As Time goes by« (1999) eingesetzt. Der auffällige Klang ist auch in diversen Filmen zu hören, so etwa in der Musik, die Maurice Jarre 1955 für den Film »Zwölftausend Meilen unter dem Meer« beisteuerte.

Comments are closed.