Asia

Stichworte John Wetton | King Crimson | Yes | Rick Wakeman | Carl Palmer | Steve Howe | Roger Dean | Greg Lake



Asia, zunächst britische, später international besetzte Rockband, 1981 gegründet.

Bandbiografie

Mit dem Ende der Hochphase des britischen Progressive Rock gab es seit der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre schon mehrfach Bestrebungen zur Gründung einer neuen Progressive-Rock-Band, in der Mitglieder der so genannten »Big Five« zu einer »Super Group« versammelt sein sollten. So gab es den Plan, den Bassisten John Wetton von King Crimson, den Schlagzeuger Bill Bruford (Yes, King Crimson) und den Keyboard-Spieler Rick Wakeman (Strawbs, Yes) in einer Band namens British Bulldog zu vereinen; dieser Plan misslang. Ende der 1970er-Jahre bildeten Wetton, Bruford, der Gitarrist Allan Holdsworth und der Keyboard-Spieler Eddie Jobson für einige Jahre die Band UK. Als diese Band aufgelöst war, beabsichtige Wetton, mit Carl Palmer, Rick Wakeman und dem Gitarristen Trevor Rabin ein Quartett zu bilden, doch kurz vor Verwirklichung des Planes entschied Wakeman sich für die Fortsetzung seiner Solo-Karriere.
Die Plattenfirma Geffen Records indes hatte so sehr Gefallen an einer neuen Super Group gefunden, dass das Managment Wetton mit Steve Howe zusammen brachte. Howe seinerseits schlug Geoff Downes als Keyboard-Spieler der Band vor und so bestand die neue Band, der der Namen Asia gegeben wurde, aus Howe, Downes, Wetton und Palmer.
Von Beginn an verfolgte Asia nicht die Linie der früheren Progressive-Rock-Bands, sondern orientierte sich – nicht zuletzt wegen der zeitgleichen Vormachtstellung von Punk und New Wave in Großbritannien – am amerikanischen Markt. Das 1982 veröffentlichte Debüt-Album der Band, schlicht mit dem Titel »Aisa« versehen, bestätigte dieses Vorgehen – es hielt sich mehrere Wochen auf dem ersten Platz der amerikanischen Album-Charts. Die Auftritte der obligat auf die Veröffentlichung folgenden Tour fanden dann auch zum großen Teil in Sportstadien statt.
Das zweite Album, »Alpha«, 1983 vorgelegt, war zwar nicht so erfolgreich, aber immer noch für Notierungen auf den vorderen Plätzen der unterschiedlichen amerikanischen Hitparaden gut. In der Band aber begann es zu kriseln. Wetton ging schließlich – ob auf Druck der anderen Musiker oder nicht, ist nicht entschieden – und wurde durch Greg Lake (Emerson, Lake & Palmer) ersetzt. Der Bassist wurde gleich ins kalte Wasser geworfen und innerhalb von Tagen die Songs der Band lernen, stand doch eine Tour durch Länder Asiens an. Anfang 1984 schon ging Lake wieder, Wetton kehrte zurück. Dafür ging Howe und bildete mit Steve Hackett GTR; bei Asia wurde er von einem veritablen Hardrock- und Metal-Gitarristen ersetzt: Mandy Meyer von der schweizerischen Band Krokus.
Mit Meyer wurde »Astra« (1985) eingespielt. Die Umbesetzungen hatten der Band allerdings geschadet, »Astra« war längst nicht so erfolgreich wie die beiden ersten Alben und die geplante Tour nach der Veröffentlichung der CD kam gar nicht erst zustande. Die Band zerfaserte. Wetton versuchte, Asia mit neuen Musikern wieder zu beleben, es gelang ihm nicht, dann tat er sich erneut mit Palmer zusammen, engagierte den Keyboard-Spieler John Young und den Gitarristen Alan Darby, der allerdings bald durch den Deutschen Holger Larish ersetzt wurde. Wie weit sich Asia vom traditionellen Progressive Rock entfernt hatte, zeigte die Verpflichtung von zwei Background-Sängerinnen. An Plattenaufnahmen war kaum z denken, dennoch ging die Band, unterstützt von Steve Lukather, dem Gitarristen der amerikanischen Band Toto, für eine geplante Best-of-CD einige zusätzlich Songs aufzunehmen.
Entnervt vom nur noch mäßigen Erfolg verließ Wetton 1991 die Band. Für ihn kam der Sänger und Bassist John Payne, der Asia neuen Lebensmut gab. Er konnte zunächst nicht Bass spielen und kannte die Songs von Asia auch nicht im Detail. Innerhalb kürzester Zeit aber behob er diese Mängel und die Band organisierte die Aufnahmen zu einem neuen Studioalbum. An diesen Aufnahmen war eine Vielzahl von Musikern, darunter Steve Howe und Carl Palmer, beteiligt. Howe nahm auch an einer kleinen Tour nach der Veröffentlichung von »Aqua« (1992) teil, so dass Asia in den Jahren 1992 und 1993 aus Downes, Howe, Payne, dem Gitarristen Vinny Burns und dem Schlagzeuger Trevor Thornton bestand. Die Besetzungsprobleme aber blieben. So spielten bei Asia neben anderen die Gitarristen Al Pitrelli, Aziz Ibrahim und Elliott Randall sowie der Schlagzeuger Michael Sturgis. Mitte der 1990er-Jahre entstanden auf dieser brüchigen Grundlage Alben wie »Aria« (1994), »Archiva Volume I«, »Archiva Volume II« (1996) und »Live at the Town & Country Club« (1999), ein 1997 aufgenommenes Konzert, das Asia ausschließlich mit akustischen Instrumenten bestritt.
Das Gefüge der Band blieb fragil, lediglich Downes und Payne waren konstante Größen der Besetzung. Zwar gab es immer wieder Pläne, die Gründungsbesetzung wieder zusammen zu bringen, doch gelang dies wegen unterschiedlich Verpflichtungen und Interessen der vier Musiker nicht. So behalfen sich Downes und Payne für Aufnahmen mit diversen Musikern, an »Aura« (2001) beispielsweise waren drei Gitarristen beteiligt. Anfang des neuen Jahrtausends war es dennoch möglich, wieder einmal eine Tournee durch die USA zu unternehmen; neben Downes und Payne gehörten der Gitarrist Guthrie Gowan und der Schlagzeuger Chris Slade zu der Live-Band. Nebenprodukt der Tour war die CD »Asia: Live in the USA« (2003). In dieser Besetzung nahm die Band »Silent Nation« (2004) auf, ein düsteres Album, in dessen Rahmen die Musiker sich mit diversen Problemen der modernen Industriegesellschaften wie Umweltschäden und Macht- und Sprachlosigkeit des Einzelnen auseinandersetzten. Produziert hatte das Album John Payne. Seine Tage bei Asia allerdings waren gezählt. Nach der Veröffentlichung von »Icon« (2005) und der Demission von Slade schloss sich Downes mit Howe, Wetton und Palmer zu einer Reunion der Gründungsbesetzung an, was Payne ihm übel nahm. So gab es unvermittelt zwei Bands, die den Namen Asia führen wollten. Für kurze Zeit nannte Payne seine Band, zu der nunmehr der Schlagzeuger Jay Schellen gehörte, GPS (Guthrie, Payne, Schellen), taufte sie 2007 aber in Asia featuring John Payne um und ging unter diesem Namen mit Erik Norlander an den Keyboards auch auf Tournee.
Die Urbesetzung ihrerseits führte weiterhin den Namen Asia und ging ebenfalls auf Tour. Bei diesen Konzerten spielten die vier Musiker Kompositionen von Asia, Yes, Emerson, Lake & Palmer, The Buggles und King Crimson – die Musiker kehrten zu ihren Wurzeln zurück. Das zeigte sich auch mit dem 2008 präsentierten Album, das das Quartett bezeichnenderweise »Phoenix« nannte – selbst Roger Dean wurde für die Gestaltung des Covers bemüht.
In gewisser Hinsicht ist Asia von Anfang an eine Retortenband gewesen: Die Überlegung, dass vier bekannte Musiker, allesamt überragende Instrumentalisten, die ihre Meriten in jahrelang überaus erfolgreichen Bands verdient hatten, gemeinsam nur erfolgreich sein konnten, hatte Einiges für sich. Dennoch setzten weder Musiker noch Plattenfirma darauf, das eine neue Band im von Punk- und New-Wave-Bands überrannten Großbritannien würde erfolgreich sein können, um von den britischen Inseln aus den Weltmarkt zu erobern. Außerdem hatten sich auch in den USA die Prämissen der Programmgestaltung der Rundfunkstationen geändert: Epische Song-Konstruktionen waren nicht mehr gefragt. Das hatte Einfluss auf die Musik: In dem ausgetüftelten und versiert gespielten Hardrock spielte Progressive Rock eine eher untergeordnete Rolle, ausgedehnte Klangprozesse überhaupt keine. Der Erfolg beim amerikanischen Publikum gab der Band zunächst Recht, doch als das Peronalkarussell der Band aus der Rotation überhaupt nicht mehr herausfand – bei Asia haben mehrere Dutzend Musiker zumindest für Wochen ihr Auskommen gehabt. Der Preis ist hoch: Unter den Alben der Band findet sich keines, das etwa das Renommee von »Close to the Edge« (1972) von Yes, »Tarkus« (1971) von Emerson, Lake & Palmer oder »Red« (1974) von King Crimson.



Diskografie

Asia (1982)
Alpha (1983)
Astra (1985)
Then & Now (1990)
Lie in Moskow (1992)
Aqua (1992)
Aria (1994)
Arena (1996)
Archiva Volume I (1996
Archiva Volume II (1996)
Rare (1999)
Live Acoustic (1999)
Aura (2001)
America: Live in the USA (2002)
Silent Nation (2004)
Fantasia. Live in Tokyo (2007)
Phoenix (2008)
Omega (2010)

Daneben gibt es eine große Anzahl weiterer Live-Alben und Zusammenstellungen.



Weblinks

http://www.originalasia.com/ (Offizielle Website der Gründungsformation von Asia)
http://www.asiaworld.org/ (Offizielle Website der britischen Rockband Asia featuring John Payne)

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